Aufschub I

Aufschub.

Eine Bezeichnung gar zu kurz für eine Tätigkeit, die sich über eine zu lange Zeit erstrecken kann.
In dieser Zeit heißt es mit größter Anstrengung das zu meiden, was man – nach normalem Menschenverstand – eigentlich  tun sollte. So sollte ich gerade Vieles tun, nur dies hier nicht: und zwar meine Gedanken niederzufaseln. Es wird auch schon spät-

Papperlapapp!
Der Tag ist noch jung!
Gleich ist auch noch Zeit dazu!
Mein Text kann warten!

Seht her!
Sind meine Schuhe nicht schick?
Reden wir über Politik!
Wie wär’s mit einem Kartenspiel?
Hier! Könnt ihr das auch mit euren Händen?

Wie?
Ich soll zum Punkt kommen?
Aber was ist mit meinen Schuhen?

Nun gut, es kommt der Moment da wird Aufschub-

Ach! Wisst’er was?
Nennen wir es
Prokrastination!
Hört sich doch gleich
sehr viel schöner an.

Pro-kra-sti-na-tion.
Nicht so ekelhaft wie Aufschub.
Das ist zu negativ.

Stimmt überhaupt die Silbentrennung?

„Ich prokrastiniere!
Und wenn es das nicht gibt
dann „neologisiere“ ich eben!

Zum Ende kommen will ich nur schwerlich, immerhin habe ich nun wieder nichts geschafft. Mich auszulassen über dieses Wort, diese böse Tätigkeit, die mich hindert im Alltag.

Ach sieh mal da, wieder was Neues bei Facebook!

Aber auch wenn ich wieder nichts erreicht habe, die Zeit ist dennoch um. Ja, Aufschub ist lästig und auch wenn man in seinem Zeitraum das Tun im Nichtstun bis zur Meisterschaft getutet hat, so ist er lästig und nagt und bohrt und reißt und kratzt und zerfetzt, bis endlich das eigentliche Werk getan ist und man zu der Erkenntnis gelangt: Nächstes Mal erledige ich das sofort!

Oh, guck mal da, Hundebabys!

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Mona Lisa

Aufgabe: Schreibe aus der Sicht der Mona Lisa.

Ich interpretiere Aufgaben auch gerne mal anders.


Oi! Arr, Licht! Ich will schlafen! Macht diese LEDs wieder aus! Man man man, und das alles nur, weil sie Moni sehen wollen. Aber sie gehört mir! Sie ist mein Innerstes! Was auch jeder sehen kann, wie sie ‚in mir drin ist‘.
Ah! Guckt weg! Wir sind nun mal immer intim, okay? Das ist hier Rahmen & Julia, nur dass sie Mona heißt und wir nicht im Tode, sondern in der Ewigkeit vereint sind.
Außer es brennt.
Aber auch dann sind wir in der Asche und dann im Winde verbunden, ha!
Hey hey! Hört auf uns zu fotografieren. Etwas Diskretion bitte. Moni ist zwar fotogen und eine Rampensau, aber das heißt nicht, dass Sie mich einfach mit ablichten dürfen.
Ach Moni, wenn es wieder Nacht wird und wir Ruhe vor diesen Menschen haben, dann singe ich dir ein Lied, ein Klagelied! Wie ich einst ein strammer Baum und du- äh ja, wie du eben jungfräuliche Farbe warst!
Sag mal, was lief da eigentlich zwischen dir und Leonardo? Ward ihr euch sehr nahe? Ich weiß, ich weiß, du willst nicht darüber reden – mal wieder.
Ach, endlich sind die LEDs aus. Es wird auch schon leerer und dunkler im Saal. Gleich habe ich dich wieder für mich ganz allein, mon amour.

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Der Selbstmord einer Sanduhr

Die kleine Sanduhr war verzweifelt. Jeden Tag, von morgens bis abends, wurde sie minütlich auf den Kopf gestellt. Der Sand floß durch ihren Glaskörper auf und ab, sodass es sich anfühlte, als würden alle ihre Körperflüssigkeiten vom Hirn in den Fuß und wieder zurück fließen.

Wusste denn niemand wie sich das anfühlte?

Beim nächsten Dreher auf den Kopf hatte sie genug. Das Glas barst und der Sand floß aus ihrem leblosen Körper. Die Qual hatte ein Ende.

Der Selbstmord einer Sanduhr.

 

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