London at Night

Für eine Vorlesung musste ich einen kurzen Blogeintrag über das 19. Jahrhundert in England verfassen, wobei das Thema und die Art des Texts frei wählbar war. Dies hier ist das Ergebnis:


A cold wind blows across the streets of London this night, whirling around heaps of leaves fallen from the autumn-shaken trees planted along the pavement. The yellow-brown foliage casts a dancing shadow created by the soft glow of the newly installed gas lights, which illuminate bridges and streets alike.
Just a few years ago I would never have dreamed of walking around alone at this time of night. Even now I don’t feel good about it, remembering the words of the church that condemns this kind of invention as unnatural and ungodly.
“Who are we to disturb the natural order of day and night given to us by the Lord?” preaches Father Anthony regularly from the pulpit. I must confess, I really don’t know. I don’t know who we are but curious creatures who seek to invent all kind of things god didn’t bother to give us from the start. It well may be that we’re not supposed to make all these new inventions, all these life-changing novelties that seem to dictate us since they have entered our lives.
But I enjoy all these new opportunities of entertainment in the evening. The theatre is even more amusing in the dark because on the way home the imagination runs wild from all we cannot see. Pitch-black nights – once responsible for many deaths and robberies – have lost their dread since now beacons of light lead you home safely.
I look up to the lightly clouded sky. Even on a clear night all that’s left to see is the moon and I begin to wonder whether the illumination of the earth has stripped the heavens of all their stars.
Maybe God will punish us, as Father Anthony believes, for the audacity of trusting more in our ability to move forward than to trust in the great plan of things. As for me, I put these thoughts aside and observe the dancing leaves in the wind until Mother Nature decides that even for her it’s time to rest for the night.

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Aliens

Ich erinnere mich an die Zeit, als ich mich noch an meine Mutter schmiegen konnte, die Wärme der Sonne fühlte und Sorgen und Schmerzen fern waren. Mein Leben gehörte mir, ich konnte mit meinen Freunden umher tollen, spielen und stattlich heranwachsen, immer mit Nahrung im Bauch. Ich wurde unabhängig, fühlte mich, als könnte ich die ganze Welt erobern, ich war ein typischer Halbstarker, dem keiner etwas zu sagen hatte.

Ich war frei.

Dann kam das Beben, die Katastrophe. Große Maschinen, Wesen in Anzügen – weit größer als ich – aus dem Nichts, vom Himmel hinabgestiegen mit Waffen, Lichtern, Mittel, die mich betäubten und die Welt in schwarz tauchten.

Als ich aufwachte, war alles weiß, steril. Ich war gefangen in einem Käfig und um mich herum hörte ich die Schreie anderer Gefangene. Nie hatte ich an Aliens geglaubt, doch nun stand einer vor mir, im weißen Anzug. Seine Arme, Beine und der Kopf glichen meinen Gliedmaßen, waren aber doch so anders; so viel heller als bei mir, so außerweltlich. Die Augen ausdruckslos im Angesicht meiner Angst und Verwirrung.

Es dämmerte mir, dass ich für diese Aliens nichts wert war. Sie packten mich ohne Probleme am Hals, zerrten mich in Räume, spritzten mir Mittel, bohrten mir mein Hirn auf für Experimente und kleisterten die offenen Wunden halbherzig wieder zu, bis ich wieder von Nutzen war. Sie fixierten für Stunden meinen Kopf und Hals und ließen mich auf Bildschirme starren, die mich mit ihren Symbolen und Zeichen in den Wahnsinn trieben. Sie notierten sich mit ihren bleichen Fingern die Ergebnisse, diskutierten in einer fremdartigen Sprache die Untersuchungen und vergaßen mich dabei, der vor Durst fast umkam.

Eines Tages wachte ich aus einem narkoseartigen Traum auf und mein Kopf hämmerte sofort wie zwanzig auf mich gefallene Baumstämme. Ich wollte mich übergeben, doch wollte nichts kommen, nicht mal Speichel, denn Wasser war rar.

Als ich nach vielen Stunden langsam wieder in der Lage war den Kopf zu heben, tastete ich vorsichtig meinen Schädel ab und fühlte mit Schrecken einen zylindrischen Gegenstand, der mir aus dem Kopf ragte. Er war massiv, meine Haare um ihn herum abrasiert und als ich die klebrige Feuchte an meinen Fingern spürte, konnte es nur eines sein: Blut! Ich verfiel in Raserei, wollte den Gegenstand aus meinem Kopf reißen, doch konnte es vor Schwäche nicht und jeder Versuch endete in schmerzvoller Ohnmacht.

Nach einer halben Ewigkeit in diesem Gefängnis des Grauens, in diesem inhumanen Kabinett des Grauens, verfiel ich in Lethargie; ich wurde wahnsinnig. Ich nutzte den wenigen Platz meines Gefängnisses, um permanent im Kreis zu laufen. Mehr, als mich um die eigene Achse zu drehen, war aber kaum möglich. Als ich anfing meinen Kopf gegen die Gitter zu hämmern, fixierten sie mich.

So also sieht es aus, wenn wir nicht an der Spitze der Nahrungskette stehen. Auch wir können einer Spezies ausgesetzt sein, die uns nur als minderwertig ansieht und so weit fortgeschritten ist, dass wir nichts weiteres sind, als niedergetrampelte Ameisen. Wir sind Versuchskaninchen, mindere Lebewesen, die nur dazu existieren, die Neugier dieser weiterentwickelten Spezies zu befriedigen.

Es dauerte lange, bis ich einzelne Begriffe ihrer Sprache ausmachen konnte, doch ich weiß nun wie sie uns nennen: Primaten, Affen, Macaca mulatta.

Für diese Menschen sind wir nichts wert.

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Inspiriert durch dieses Video, das bei mir Nackenhaare aufgestellt hat: Klicke hier


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Angst

Schließlich machte er mir ein unmoralisches Angebot und ich wusste einfach nicht wie ich reagieren sollte. Dieser nackte, alte, halb verrottete Mann, dieser Berg Fleisch, der sich zu mir über mein Bett beugte, mit ausgehöhlten und madigen Augen, die nach mir lüsterten.

Meine Bettdecke bot keinen Schutz mehr, egal wie tief ich sie mir ins Gesicht zog. Mein kleiner Kinderkörper presste gegen das Bettgestell, nur weg von diesem stöhnenenden Monster. Doch auch wenn der Druck gegen das Holz schon lange schmerzte, machte ich keinen Mucks. Meine großen Kulleraugen sahen sich nach Schutz im Zimmer um. Ich entdeckte das Fenster. Vielleicht konnte es meine Rettung sein? – Nein, dort holte mich auch nur der Tod.

Die ausgetrocknete Hand des Mannes schnappte nach mir und berührte mit einem Knöchel schon fast mein Gesicht.

Sollte ich ihn beißen? Ihn erschrecken? – Kann man Untote schrecken?

Aber da! Mein Schrank! Die Tür war einen Spalt breit geöffnet und wartete nur auf mich.

Als der Zombiemann gerade nach meinem Hals fassen wollte, spurtete ich zum alten Holzschrank und versteckte mich im Inneren. Die Tür knallte ich mit großem Knarren und Knall hinter mir zu.

Es war dunkel, stockduster, aber sicher. Vom stöhnenden Lustzombiemolch war nichts mehr zu hören. – Licht, ein wenig Licht wäre schön. Meine winzigen Füße stießen gegen etwas Metallendes auf dem Schrankboden. Ich bückte mich. Meine Hände kämpften gegen die Stoffflut der Kleider und Mäntel, bis sie das kühle Metall umfassten.

Klick – Licht – Sicherheit.

Doch da! Dieses schwarze Gewulst an der Rückwand. Was war das? Ich fasste danach mit geöffneter Hand. Es war weich. Es bewegte sich. Es hatte Beine! Millionen von Beinen und Körpern! Spinnen, die sich wie ein schwarzes Netz um mich ausbreiteten. Ich wollte schreien, aber sie krochen in meinen Mund, meinen Hals! Ich bekam keine Luft mehr!

Plötzlich klingelte der Wecker und ich schreckte, laut nach Luft schnappend, von meinem Bett hoch. Es war alles doch nur ein Traum gewesen, was für ein Glück!

Doch dann entdeckte ich einen großen Schatten. Am Ende des Bettes stand eine vermummte Gestalt, mit Messer gezückt in der Hand.

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