Wasserstand


Immer wieder wird mir gesagt „Schreib doch was!“ oder „Wozu hast du eigentlich diesen Blog?“ Diesen Blog habe ich, um Interessantes über meinen Auslandsaufenthalt berichten zu können und irgendwo soll es auch für mich interessant sein euch meine Erlebnisse zu schildern.

Um ehrlich zu sein finde ich es im Moment sehr schwer zu schreiben. Es ist schon ein Wunder, dass ich es endlich geschafft habe einen IKZ-Artikel zu schreiben, der sich für mich nicht zu langweilig liest. Ich kann euch nicht mal sagen woran es genau liegt, denn die Zeit hier genieße ich wirklich. In Belgien habe ich auch nicht so viel geschrieben; wenn es gut lief mal alle zwei Wochen ein Blogeintrag oder auch erst nach zwei Monaten wieder einer. Kann man hier im Archiv noch gut verfolgen.

Über meinen Ausflug nach London möchte ich eigentlich nicht viele Worte verlieren, zumindest nicht über das Typische. Ja, natürlich habe ich Westminster und das London Eye gesehen und ja, ich war am Piccadilly Circus. Erinnerungswürdig ist aber besonders mein erster Besuch bei Harrods und viel Blut auf dem Weg zum Hotel.

„Wat? Blut?“ – Später.

Harrods ist einfach atemraubend (und nicht in diesem kitschigen Sinne von atemberaubend, sondern wirklich meinen Atem raubend). Sind hier Pokerspieler unter uns? Wie wäre es mit einem 1000£-Set? Das Schachspiel für 2500£ kann ich auch nur empfehlen und wer mal eben 2000£ für eine Gucci-Tasche übrig hat, der möge vortreten. Dementsprechend mager fällt mein Einkauf dort aus… dennoch war ich dort für (ich glaub) zwei Stunden und habe mich vorwiegend mit aufgeklappten Kiefer nur umgeschaut. Etwas neidisch war ich auf die vielen Saudis. Ein Vater, der seinem Sohn mal eben 200£ in die Hand drückt, damit er sich eine Kleinigkeit kaufen kann. Eine Frau, die einen Einkaufskorb mit gleich zwei solcher Gucci-Taschen mit sich herumträgt. Zumindest war ich in jenem Moment ein bisschen neidisch (ich bin ja nicht so der Taschen-Fetischist – also so gar nicht – aber da war wirklich meine Traumtasche dabei).

Trauriges Highlight in London war aber eine Messerstecherei, die wir zwar nicht mehr erlebt haben, aber als wir an der Underground-Station zu unserem Hotel herauskaumen, war das Areal drumherum von der Polizei abgesperrt. Wir waren erst mal nur irritiert und gingen an den Absperrungen vorbei, doch dann bemerkten wir schon direkt eine ganze Ladung Blut auf dem nassen Bürgersteig, eine vollkommen aufgelöste Frau, die sich bei jemandem ausheulte und ein Krankenwagen, in dem mehrere Leute hektisch agierten. Zum Glück waren es nur fünf Minuten Fußweg zu unserem Hotel, aber uns war allen etwas schlecht bei dem Anblick und wir waren wirklich froh als wir wieder „Zuhause“ und in Sicherheit waren. Ein merkwürdiger Abschluss zu einem ansonsten wirklich schönen London-Trip.

Viele Bilder habe ich leider nicht geschossen, weil es entweder zu voll dafür war oder ich die Ecken schon kannte. Dennoch: obligatorischer Big Ben ist dabei.

Zu meinem Alltag:

Die Kurse und meine Dozenten sind wirklich klasse. Zwar habe ich eine Schnarchnase dabei und ein anderer Kurs unterfordert mich ein wenig, aber sonst ist das Studieren hier sehr angenehm. Mein erstes Essay von 2500 Wörtern habe ich bereits abgeben, die erste Präsentation ist schon gehalten und bis Montag muss ich jetzt noch einen Report schreiben, der aber kein großes Problem darstellen sollte.  Dann gönne ich mir bis nach Oxford eine kleine Pause, ehe ich mich wieder an ein Essay setze, das ich sonst in Deutschland schreiben müsste.

Ansonsten mache ich sehr viel Sport, was aber nicht so viel hilft wie erhofft, denn durch meine eingeschränkten Möglichkeiten in der Küche ernähre ich mich doch zu ungesund. Trotzdem: Ich fühle mich fitter. Gleich gehe ich schon wieder ins Fitnessstudio (nachdem ich schon die letzten zwei Tage war) und jogge auf dem Laufband meine fünf Kilometer. Jedes Mal erhöhe ich dabei die Laufgeschwindigkeit und den Widerstand, damit ich dann bald hoffentlich das Hill-Training absolvieren kann (Berg auf, Berg ab, Berg auf, Berg ab). Erst hatte ich gefürchtet, dass ich die letzten zehn Tage hier nicht mehr ins Fitnessstudio könnte, da ich nicht für einen halben Monat bezahlen kann, aber da meinte ein Mitarbeiter, dass er mir die 10 Tage einfach kostenlos hinzufügt. Wirklich nett! Nun muss ich nicht draußen beim Joggen frieren, sondern kann drinnen bleiben!

Zum Abschluss der Hinweis, dass ich nun nicht mehr nur eine Mitbewohnerin habe, sondern eine Chinesin dazugekommen ist. Kulturelle Unterschiede sind auf Anhieb bemerkbar, vor allem in der Küche, aber man gewöhnt sich recht schnell daran. Meine deutsche Direktheit muss ich jedenfalls gezwungenermaßen herunterschrauben… wieso muss man bei mir direkt nachfragen, denn das werde ich hier sicher nicht schreiben.

Nun gut, ich verschwinde nun zum Sport. Bis zum nächsten Mal!


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2 Gedanken zu „Wasserstand“

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